Aus Voyeur 1-7

2000

Die Jahrtausendwende war auch ein Zeitpunkt, an dem nikotinabhängige Menschen, wie ich es in dieser Zeit war, vermehrt von Mitbewohnern gebeten wurden, ihre Sucht aus der gemeinsamen Wohnung nach draussen zu verlagern. Ich verstand das. So verbrachte ich oft Zeit auf unserem Balkon, Zigaretten rauchend. Und  sobald es dunkel wurde und das Licht in den Wohnungen gegenüber anging, nahm ich dadurch nun, zuerst aus Langeweile, bewusst die Menschen in meiner Nachbarschaft wahr.
Je nach Anordnung der verschiedenen Zimmer, in die ich sehen konnte, sah ich Menschen, die je nach Tages,- oder Nachtzeit kochten, die Wohnung putzten, oder sich liebten. Auch Streitigkeiten konnte ich beobachten. So wurde ich zu einem Voyeur, der anfing in den Alltag anderer Menschen zu sehen. Ich versuchte, die teils seltsamen Momente mit der Kamera in Bildern festzuhalten.

André Gelpke